Ist zwar schon etwas älter, aber hier auch mal meinen Senf dazu.
Kurz zu mir.
Ich habe mit dem Billard direkt nach ende meines Grundwehrdienstes Anfang der 90er mit dem Billard angefangen.
Ich habe nach dem Wehrdienst keinen Job gefunden (Meine Firma in der ich gelernt hatte, ist in der Zeit damals Pleite gegangen) und war damals rund ein Jahr Arbeitslos und wusste nichts besseres mit meiner Zeit anzufangen. (Internet war noch nicht so und im Fersehen lief damals auch nur Müll)
In dem Billard-Cafe meines Vertrauens gab es auch so ein Angebot, dass man für 100,- DM einen ganzen Monat solange Spielen kann wie man will.
Das habe ich natürlich ausgenutzt und bin dann meisstens morgens um 10 Uhr hin, wenn der Laden aufgemacht hat, und dann Abends meisstens kurz vor Toreschluss um 01:00 oder Wochenends auch 02:00 Uhr wieder nach Hause.
Innerhalb eines knappen Jahres habe ich meinen Spiel-Skill sehr deutlich gesteigert. 14.1 im Ligaspiel waren gerne mal Aufnahmen von 30 oder mehr Kugeln drin. Im Training habe ich es sogar geschafft die Aufnahmen nach und nach auf bis zu meinem Lifetime Rekord von 139 Bällen zu steigern.
Ich habe dann irgendwann einen Job gefunden und hatte nur noch Sporadisch Zeit und Lust für Billard und habe dann so 6 oder 7 Jahre eher nebenher in der einen oder anderen Liga gespielt. Irgendwann hat sich dann auch der Verein aufgelöst und hatte keine Lust mir was anderes zu suchen.
Ich habe dann 25 Jahre überhaupt nicht mehr gespielt und Billard komplett an den Nagel gehangen.
Nach Corona habe ich Lust gehabt wieder mehr unter Leute zu gehen und habe vor etwas mehr als 3 Jahren wieder mit dem Billard angefangen.
Seitdem versuche ich wieder auf das alte Niveau zurückzukommen.
Ich stehe natürlich mitten im Arbeitsleben und habe nicht mehr die Zeit und den Kopf für Billard wie früher.
Auch meine Augen sind schlechter geworden und das Muskelgedächtnis war nach 25 Jahren auch nicht mehr da.
Ich Investiere soviel Zeit ins Billard wie körperlich und zeitlich möglich und ich werde (sehr) langsam besser.
Nach rund 3 Jahren bin ich immerhin wieder soweit auch mal Aufnahmen von 20+ im 14.1 zu schaffen. Nicht mehr so regelmässig wie früher, aber naja.
Ich bemerke auch sehr oft, dass ich aktuell sehr starke Unterschiede von guten und schlechten Tage habe. An manchen Tagen bin ich regelrecht Unbesiegbar und am nächsten reicht es nur für ein 8Ball mit 3 Aufnahmen.
Ich mache dafür in erster Linie die altersbedingen Veränderungen verantwortlich. Nicht so sachen wie Rücken,Augen und so weiter. Eher kognitive Veränderungen und allgemeine Altersprozesse.
Ein Unterschied zu früher (neben den körperlichen Altersbedingten) ist definitiv die Konzentrationsfähigkeit. Ganz zu Anfang vor 3 Jahren habe ich es kaum mehr als eine Stunde geschafft wirklich konzentriert zu Spielen. Mittlerweile sind es 3 bis 4 Stunden, bevor ich abbaue.
Auch ein Unterschied ist die Begeisterungsfähigkeit die deutlich abgnommen hat. Früher hat jeder einzelne Ball den ich versenkt habe, jede Ablage die auf den Punkt gekommen ist ein kleines Feuerwerk an positiven Emotionen verursacht. Heute ist das sehr deutlich abgeflacht. Billard selbst macht immer noch viel Spass, aber es ist nicht mehr so wie früher.
Von dem brennenden Ehrgeiz in Jungen Jahren erst gar nicht zu reden...
Definitiv ein Unterschied ist die Kraft der Visuallisierung oder der Vorstellungskraft. Früher habe ich regelrecht eine Linie zwischen der Weissen und der zu spielenden Kugel auf dem Tisch gesehen. Diese Linie war so genau, dass ich die Weisse nur noch entlang dieser Linie Spielen musste um den Ball zu senken. (Ich hatte das tatsächlich sogar recht ausführlich getestet inwieweit ich dieser "Linie" vertrauen kann.)
Trotz aller meiner Bemühungen, sehe ich diese Linie nicht mehr. Für mich ist das ein Zeichen, dass meine Konzentrationsfähigkeit und Vorstellungskraft deutlich abgenommen hat.
Ich bin auch nicht sicher inwieweit die Stossmechanik massgebilch in meinem Spiel ist. Ich Trainiere gerne und verhältnismässig oft, den sogenannten X-Drill, in dem ein Ball sehr weit entfernt und gerade aufgebaut wird und mit Lauf-, Stopp- oder als Rückläufer gespielt wird. Ich habe da mittlerweile eine gute Technik und eine gute Pre-Shot Routine aufgebaut. (Bei entsprechenden Trainings mit The Stroke gabe es nur noch kleinste Details daran zu verbessern.)
Bei diesen übungen ist mir aufgefallen, dass wenn ich im normalen Spiel einen "guten Tag" habe, dies nicht gleichzeitig und zwangsläufig auf die X-Drills zutrifft. Andersrum genauso. Ein guter Tag bei den X-Drill bedeutet nicht zwangsläufig ein gutes Resultat im normalen Spiel.
Ein weitere Punkt ist der Spielfokus. Früher konnte passieren was wollte, ich habe meinen Fokus nicht verloren.
Heute reicht es, wenn jemand einen Tisch weiter jemand etwas sagt, oder einfach hinter mir vorbeigeht, um mich signifikant "zu stören" und meine Konzentration und die Fokussierung zu verringern.
Ich halte das aktuell für mein grösstes Problem, da ich im Training ohne äussere Einflüsse mehr als deutlich bessere Ergebnisse abliefern kann, als wenn jemand mit im Raum ist.
Ich glaube diesen Effekt nennt man "Trainingsweltmeister".
Ich weiss nicht ob diese ganzen Ausführungen die Frage des Treaderstellers direkt beantworten, aber zumindest für mich als "Sensior" mit 53 Jahren dürften sie dem Grund für die starken Schwankungen darstellen.
Ich glaube es kommt dann auf die Kombination von diesen einzelnen Einschränkungen an. Manche Tage hat man eine gute Konzentrationsfähigkeit, aber eine schlechte Vorstellungskraft und am nächsten anders rum, oder keine, oder beide. Dazu kommen noch körperliche Dinge die den einen Tag stärker oder leichter ausgeprägt sind. und und und..
Abschliessend noch : Sorry für den langen Beitrag
