Off TopicGesellschaftliche Entwicklung

Alles was nicht unbedingt mit Billard zu tun hat

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Gesellschaftliche Entwicklung

Beitragvon brennpunkt-lupo » 29.11.19 17:58

Raus aus dem Mosconi-Thread....

Meinen Zeigefinger erhebe ich ja manchmal ganz gern, aber mit dem Hintergedanken (den ich auch schon oft genug formuliert habe) die Menschen um mich herum nicht zu belehren sondern um zum Denken aufzufordern. Im Idealfall vor dem Reden (Schreiben). Da gibts auch so einen Spruch der mir gefällt: "die Formung des Gedankens während der Rede". Kann man probieren, geht aber glaub ich recht oft schief.

Ich bin Jahrgang 1965, schon in frühen Jahren politisiert worden (Sozialdemokratisch von Vaterseite, sein Bruder war rabenschwarz, also hab ich von jeher immer 2 Darstellungen einer Sache kennengelernt). Diese Tatsache hat mir auch beigebracht, wenn irgend möglich von Vorgängen mehrere Sichtweisen anzuhören und dann einen eigenen Gedankengang zu entwickeln. Manchmal kommt man zu einem Ergebnis, manchmal ist man nach der zweiten Version blöder als vorher. Was ich aber vor allem in den letzten sagen wir mal 45 Jahren gelernt und mir zu eigen gemacht habe, ist nie, never ever irgendjemandem in mir wichtigen Sachen nach dem Mund zu reden. Von Argumenten lasse ich mich auch überzeugen, wenn jemand von irgendwas halt mehr Ahnung hat wie ich ist es schön, neues zu lernen. Andersrum gibt es ein paar Sachen, von denen ich was versteh und da ist es für mich unerträglich, wenn wer felsenfest was behauptet, was nachweislich falsch ist. Beispielsweise "Mono hat keine Höhen" in Bezug auf Beschallungstechnik. Da biet ich dann schonmal an Crashkurs in Sachen Akustische Grundlagen an....

Das war jetzt zwar ab vom oben stehenden Thema, führt aber ganz gut hin zu dem, was mich in den letzten ca. 10 Jahren immer öfter auf die Palme bringt. In diesem Medium Internet grassiert etwas, das mir echt Angst macht, weil es auch im Real Life immer mehr Fuss fasst, bzw. Menschen Dinge, die sind in der Anonymität aus"sprechen" dann in Wirklich keit auch ausführen. Es wird immer gängigere Praxis, im Netz Lügen als Wahrheiten hinzustellen, von einzelnen auf ganze Gruppierungen zu schliessen, diese dann pauschal als Schuldige für alles hinzustellen. Und meiner Meinung nach hat das nichts mit einem Wandel in der breiten Masse der Gesellschaft zu tun, der breiten Masse ist alles wurscht solange das Fleisch billig bleigt und "Frauentausch" weiter gesendet wird. Und ich bin alt genug und habe schon genug erlebt dass ich euch sagen kann: das ist genau dieselbe Masche, die in den 30er Jahren eine kleine Gruppe Nationalisten so stark gemacht hat, dass sie die Welt in eine unglaubliche Katastrophe geführt haben. Niemand kann es heute verstehen, wie das passieren konnte. Wie konnten die damals so blind und dumm sein, dass sie die NSDAP so nach vorne gebracht haben. Und Mussolini. Tja, das Schema war im Nachhinein sehr durchschaubar. Wir haben eine Krise, viele Arbeitslose, da sind die Menschen sehr empfänglich für eine einfache Lösung und die hatten die Nazis. Die Juden sind schuld. Das ist aus heutiger Sicht leicht zu durchschauen. Denkt man.

Heute wird es nach genau dem selben Schema von machtgierigen Leuten mit sehr viel wirkungsvolleren Medien durchgezogen. Wir haben in D im Moment nichts, was der Weltwirtschaftskrise von damals vergleichbar ist, also bastelt man was. Man präsentiert gleich mal eine einfache Lösung für alle Probleme. Die Flüchtlinge sind schuld. Damit kann man den Menschen schon mal ablenken von dem meiner Meinung nach wirklichen Problem: der Turbokapitalismus mit allen Auswüchsen funktioniert schon lange nicht mehr. Es wird koste es was es wolle immer mehr produziert und dann weggeschmissen. Immer schneller. Was man den Leuten aber um an die Macht zu kommen präsentiert, hat Victor Orban in Perfektion vorgemacht: give the people what they want. In seinem Fall: wenn ihr mich wählt, fällt die Beschränkung zur Herstellung des geliebten Schnapses, ins Kleingedruckte packen wir die Abschaffung der Pressefreiheit etc. Das ist jetzt mal ein Beispiel von Steuerung einer armen Bevölkerung. Wir sind nicht arm, also muss man da a bissl mehr Aufwand treiben.

Zurück zum Problem Internet: ich werde da sehr schnell hellhörig, wenn jemand unraflektiert Menschen beleidigt ohne irgendwelche Hintergründe. Ob das jetzt mit böser Absicht geschieht oder einfach nur aus Gedankenlosigkeit kann man ja aus einem post nicht unbedingt herauslesen. Und drum stehe ich bei sowas oft mal relativ schnell auf der Matte.


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Re: Gesellschaftliche Entwicklung

Beitragvon Kazoom » 29.11.19 20:10

Na zu meiner Zeit hätte man was gemacht statt deppert, abstrakt, über andere rumgeschrieben. Da war man mit sich selbst beschäftigt.
Zum Beispiel getrunken, geraucht, gerauft, sich in Filme ab 18 reingeschlichen, mit dem Auto nutzlos rumgefahren, Sex gehabt.
Aber ich glaube, das macht die Jugend von heute garnicht mehr - vor allem letzteres, weil dann würden sie mehr Ruhe geben :zuf:

Vielleicht wird der Thanatos (guter, alter Freud!) unserer Seele auch heutzutage zuwenig bedient - ein sicheres Umfeld fehlt, um Dinge geordnet kaputtzumachen, zB Holzhacken.
Deswegen redet man dann andere im Internetz kaputt.

PS: Habe den Mosconi-Thread lieber nicht gelesen.
PPS: Rechtschreibung- A Fuß bleibt aba a Fuß, fuss-en tuts nur beim Fusseln :zwi:



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Re: Gesellschaftliche Entwicklung

Beitragvon brennpunkt-lupo » 29.11.19 21:12

Erwischt. ẞ und ss waren mir schon immer suspekt, fast so schlimm wie Komma...
Thanatos? Hört sich nach Gott an und dann Freud dazu? Hm, ist nicht mein Feld, drum verstehe ich es auch nicht.
Dein erster Absatz ist mir am Anfang nicht ganz klar gewesen, mit den deppert über andere rumschreiben meinst du die "Hater" im Netz, oder?


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Re: Gesellschaftliche Entwicklung

Beitragvon Kazoom » 29.11.19 21:36

brennpunkt-lupo hat geschrieben:
Dein erster Absatz ist mir am Anfang nicht ganz klar gewesen, mit den deppert über andere rumschreiben meinst du die "Hater" im Netz, oder?


Kommata retten Leben: "Komm wir essen Opi". :krl:

Freud sollte man nie zu ernst nehmen... Thanatos wurde auch als "Todestrieb" bezeichnet, siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Todestrieb
"Während der Eros nach Zusammenhalt und Vereinigung tendiere, strebe der Todestrieb nach Auflösung dieser Einheit, nach Verstreuung und Auflösung von Bindung."

Aber ja, deppert in der Gegend rumschreiben sind die "Hater". Es ist normal, Dinge nicht gut bis hin zu saublöd zu finden. Deswegen muss ich noch lange nicht in die unterste Schublade und zu Beleidigungen greifen.
"Filler benimmt sich ganz schön daneben" - so einfach ist das.

Bayrischer Gruß!



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Re: Gesellschaftliche Entwicklung

Beitragvon sneaky_peter » 29.11.19 23:08

Schöner Thread Lupo!

Ich habe zwar weder dein Sendungsbewusstsein, noch die Muße hier längere Texte zu verfassen, aber wenn ich es täte, sähen die Posts wohl ganz ähnlich aus.

Ich bin aber viel optimistischer, was die Zukunft angeht als du. Ich glaube auch nicht, dass wir in einer Krise stecken, sondern an der Schwelle eines neuen Zeitalters.
Bei so weitreichenden Veränderungen (Klima, Umwelt, Globalisierung, Digitalisierung) und deren Folgen ist es nicht besonders verwunderlich, dass gewisse Leute unruhig werden und mit allen Mitteln versuchen, die bestehenden Verhältnisse beizubehalten.

Nur die Ruhe, Habt Vertrauen, die nachfolgenden Generationen zeigen uns gerade, wie man es macht! Wenn man sich allein mal überlegt, was eine schwedische Jugendliche in nicht einmal zwei Jahren erreicht hat - dagegen kann man alle Klimagipfel der letzten zwanzig Jahre vergessen...

Unsere Zeit ist abgelaufen. Und das ist gut so.



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Re: Gesellschaftliche Entwicklung

Beitragvon Kazoom » 30.11.19 11:20

sneaky_peter hat geschrieben:Nur die Ruhe, Habt Vertrauen, die nachfolgenden Generationen zeigen uns gerade, wie man es macht! Wenn man sich allein mal überlegt, was eine schwedische Jugendliche in nicht einmal zwei Jahren erreicht hat - dagegen kann man alle Klimagipfel der letzten zwanzig Jahre vergessen...


Einfacher Anstoß einer Diskussion ist ja noch kein Sendungsbewußtsein :zwi:
Man macht sich eben Gedanken, wo es hingeht.

Wenn man über Gesellschaft schreibt muss man auch immer über Berichterstattung, Journalisten (haben wir überhaupt noch welche?) und Zeitungen schreiben. Hier erfährt man fast nur noch hochtendenziöses (das ist richtig, das ist falsch, der ist blöde, darauf musst Du achten, das sind die besten Deals!) und extra emotional aufgeladene (aufreg aufreg oder mitleid mitleid).
Zeit, FAZ, Welt - selbst da, alle machen sie mit. Alles im Auftrag der "Klicks" = Werbung = Geld.

Daß dies auch langsam Auswirkungen hat und Menschen hochemotionalisiert unter Strom durch den Alltag laufen - kein Wunder. Wir packen sie ja auch immer dichter, im Zuge der "städtischen Nachverdichtung", wie es so schön heisst.
Leider mögen biologische Wesen jedoch nicht den Stress einer zu dichten Besiedelung, reagieren meist mit Aggression.
Wir können auch etwas abstrakter sagen -. nicht nur physikalisch sondern auch in der Gesellschaft lassen wir immer weniger Menschen echten "Raum".

Früher hätte man einen solchen Ausbruch vom Filler vermutlich einfach nicht gesendet, heute muss man ja draufhalten. Früher hätte der Kapitän ihn mal zu einem Gespräch beiseite genommen, heute bestärkt man solche Verhalten im Zuge des Erfolges und der Dominierung.

Die nachfolgende Generation verblüfft mich aktuell meist nur durch absoltes Fehlen von Wissen, Können, Beherrschung dessen, was sie täglich "bedienen" und (vermeintlich) brauchen. Und Milch kommt ja aus dem Kühlregal. Schule und Abi muss einfach sein und nicht wehtun.

"Digital Natives" haben nicht die leiseste Ahnung, wie ihr liebstes Herzstück - das Mobiltelefon mit angeschlossenem Internet - denn so funktioniert und was es alles so tut. Oder was all die Leute tun, die einem "kostenlose" Dinge anbieten.
Und daß man nicht stirbt, wenn man kein "Whatsapp" hat und mit Leuten telefoniert oder mal eine Mail schreibt
:scw:

Wir alten, sturen Hasen haben da schon gewaltig unsere Berechtigung und können so manchen Jungspund durch Erfahrung und Fähigkeit sehr viel vormachen. Im übrigen auch beim Klimaschutz.



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Re: Gesellschaftliche Entwicklung

Beitragvon NickCasey » 30.11.19 12:35

sneaky_peter hat geschrieben:Wenn man sich allein mal überlegt, was eine schwedische Jugendliche in nicht einmal zwei Jahren erreicht hat -


und was wäre das?... ich verfolge das thema so gesehen nicht und habe nur am rande mitbekommen, dass sie medial und persönlich wie die sau durchs dorf getrieben wurde und trump sie nicht sonderlich ernst genommen hat oder noch nicht nimmt (also sämtliches boulevard-zeugs, dem man sich leider nicht verwehren kann)... aber was wurde (bzw hat sie) bislang konkret erreicht?



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Re: Gesellschaftliche Entwicklung

Beitragvon sneaky_peter » 30.11.19 13:20

Ich denke z.B. es gäbe noch kein Klimakabinett ohne Fridays For Future.
Diese Bewegung macht ordentlich Druck auf die Politik. Die Menschen lassen sich einfach nicht mehr mit Lippenbekenntnissen abspeisen und bestehen auf die Umsetzung der gemachten Versprechungen.
Auch der derzeitige Erfolg der Grünen ist zumindest z.T. auf FFF zurückzuführen.
Das Thema hat in der Gesellschaft endlich den Stellenwert bekommen, den es verdient.



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Re: Gesellschaftliche Entwicklung

Beitragvon Kazoom » 30.11.19 13:39

sneaky_peter hat geschrieben:Auch der derzeitige Erfolg der Grünen ist zumindest z.T. auf FFF zurückzuführen.
Das Thema hat in der Gesellschaft endlich den Stellenwert bekommen, den es verdient.


Einen Wahlerfolg einer Partei würde ich lieber nicht gleichsetzen mit "die Gesellschaft erreicht", "Stellenwert" oder "Leute verändern ihr Verhalten".

Die Kinderchens und Eltern fahren schön im SUV zur Demo und wieder heim und in Urlaub wird natürlich geflogen statt in der Region was zu machen. Das neueste SmartPhone aus Umwelt-GAU-China mit seltenen Erden noch und nöcher muss es auch sein. Ja, solche Demonstranten kenne ich zu genüge.

Es ist halt hip, zur Demo zu gehen.
Vielleicht ist es aber ein gutes Zeichen, daß Bio-Sachen in Supermärkten immer öfter ausverkauft sind und viele Drogerien verstärkt Eigenmarken ohne Mikroplastik im Duschgel etc. und mit recycleten Umverpackungen anbieten.
Zum gleichen Preis.

Das größte Lippenbekenntnis ist im übrigen, auf dem Verkehr rumhacken und weiter Kohlestrom machen oder die energieintensive Industrie zu subventionieren.



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Re: Gesellschaftliche Entwicklung

Beitragvon sneaky_peter » 30.11.19 13:53

Ich mag Menschen, die weder zu Verallgemeinerungen noch zu Whataboutism neigen...



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Re: Gesellschaftliche Entwicklung

Beitragvon Breakfoul » 30.11.19 15:23

brennpunkt-lupo hat geschrieben:(...) das ist genau dieselbe Masche, die in den 30er Jahren eine kleine Gruppe Nationalisten so stark gemacht hat, dass sie die Welt in eine unglaubliche Katastrophe geführt haben.

Also ich bin da ganz grundsätzllich vollkommen bei Dir, aber das Heraufdämmern des Nationalismus 2.0 sehe ich an dieser Stelle noch nicht. In meiner schönen Heimatstadt hält an diesem Wochenende die AfD ihren Reichsparteitag ab und wählt neue Führer ääh, Vorstände. Die Innenstadt ist komplett gefüllt mit Menschenmassen, die an den Gegenveranstaltungen teilnehmen. Und das sind keine Krawalltouristen, sondern ganz normale Bürger. Und das zeigt mir, dass die breite Masse noch funktionierende Antennen hat und die Leute bereit sind, ihre Demokratie zu verteidigen.

sneaky_peter hat geschrieben:Ich denke z.B. es gäbe noch kein Klimakabinett ohne Fridays For Future. (...)
Das Thema hat in der Gesellschaft endlich den Stellenwert bekommen, den es verdient.

Vor allem hat es bei der Jugend den verdienten und vor allem notwendigen Stellenwert bekommen, das ist das Wichtigste an der Geschichte.

Und genau hier zeigen sich die zwei Seiten der Medaille. Einerseits das, was Lupo anspricht: Hass, Hetze und Lügen im Netz bei Fakebook, Twitter und Co. mit einhergehender Spaltung der Gesellschaft und Gefährdung demokratischer Gesellschaftsordnungen durch Manupulation. Andererseits hätte es FFF ohne die ganzen Vereine vermutlich nie gegeben.



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Re: Gesellschaftliche Entwicklung

Beitragvon brennpunkt-lupo » 30.11.19 17:49

Ich habe jetzt nicht wirklich Angst davor, dass rechtsradikale Parteien bei uns eine Mehrheit bekommen, ich habe Bedenken, dass die politischen Parteien, egal welchen Mantel sie anhaben, immer mehr abhängig werden von den sehr wenigen Nutzniessern unseres aktuellen Wirtschaftssystems. Ich sage nicht, dass die Politiker früher weniger abhängig waren, aber sie haben zumindest (sebst ein FJS...) immer versucht, es so aussehen zu lassen, als wären sie für das Volk da. Das sehe ich heute irgendwie gar nicht mehr. Es müssen nur unsere Premiummarken geschützt werden. Ich glaube es war in den 70er Jahren, als jemand in einem Interview gesagt hat: im Jahr 2020 werden wir eh nur noch einen Automobilproduzenten haben. Das kann man auch auf andere Industriezweige anwenden, wir sind auf dem Weg dahin.

Nehmen wir mal eins meiner Lieblingsbeispiele: die Autoindustrie. Warum habe ich nur den Eindruck, dass niemand in der Politik auch nur im Ansatz ein Interesse an der Lösung unserer ziemlich offensichtlichen Verkehrsprobleme hat? Statt den Individualverkehr und die LKW's auf unseren Autobahnen einzubremsen werden schnell mal 200 Mio. € Steuergelder für "Leuchtturmprojekte" der notleidenden Automobilindustrie investiert. Mit welchem Ergebnis? Das wahrscheinlich noch weniger Leute mit dem seit 1835 bei uns unterwegs befindlichen autonomen Großfahrzeugen, die hunderte Menschen gleichzeitig bequem und so sicher, wie es mit autonomen Autos niemals sein wird, durchs Land befördert. Auf vorhandenen Verkehrswegen. Wenn man da mal Geld investieren würde anstatt Strecken zu schließen... Nächstes Thema: es fehlen 31000 LKW Parkplätze an unseren Autobahnen. Wie bitte? Ist es nicht vielmehr so, das Millionen LKW's zuviel auf der Straße unterwegs sind? Natürlich muss der Laster die Lebensmittel an die Supermärkte liefern, aber wieviele Laster fahren von Hamburg nach Neapel billiger als wenn sie auf der Schiene transportiert werden würden? Es gibt Sachen, die wollen nicht in meinen Kopf rein. Und komischerweise kommen unsere Verkehrsminister seit Jahrzehnten immer aus Bayern....

Meine Prognose zum autonomen fahren: absolute Totgeburt, wer versichert zu welchen Konditionen diesen Schwachsinn, wozu soll es ausser das Big Brother immer mehr weiss wann wir wo stecken gut sein? Wo ist der Vorteil zum Zug fahren? Wie soll es überhaupt in Zukunft ausschauen: jeder hat in seinem eigenen Auto KI eingebaut, die ihn überall hin bringt? Oder sollen es CarSharing-Projekte sein, die uns dann in Konkurrenz zum ÖPNV rumkutschieren?

Was mir in der heutigen Gesellschaft fehlt, ist ein gewisser Radikalismus. Keiner der sich in irgendweiner Art von Gewalt ausdrückt, sondern der Mut, radikale Gedankengänge zu haben. Zu Artikulieren, darüber zu Diskutieren, dann evtl. einsehen, dass es halt nicht geht, warum auch immer. Früher forderte eine Gewerkschaft halt mal 10 % Lohnerhöhung für seine Arbeiter, im vollen Wissen, dass das völlig unmöglich ist. Der Arbeitgeber bietet 2 %, am Schluss einigt man sich bei 3, 75 % plus irgendwelche zusätzlichen Urlaubstage. Heute fordert man gleich mal nur 4 %, weil mehr ja eh nicht drin ist. Und ein paar schöne Puffbesuche für die Verhandlungsführer.... Diese Denkweise ist in meinen Augen falsch. Man muss träumen, Visionen haben (obwohl da schon vor langer Zeit ein von mir hochgeschätzter Politiker sagte: "dann gehen sie zum Arzt, wenn sie Visionen haben"), nur sowas kann zum Denken führen. Wenn ich weiss, der Individualverkehr ist ein großes Problem, wenn man immer mehr Individuen hat, dann kann man entweder die Individuen reduzieren (hmmm, schwierig) oder ihnen eine andere Art des "von A nach B"-Kommens schmackhaft machen.


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Re: Gesellschaftliche Entwicklung

Beitragvon Breakfoul » 30.11.19 18:44

brennpunkt-lupo hat geschrieben:Nehmen wir mal eins meiner Lieblingsbeispiele: die Autoindustrie. Warum habe ich nur den Eindruck, dass niemand in der Politik auch nur im Ansatz ein Interesse an der Lösung unserer ziemlich offensichtlichen Verkehrsprobleme hat? Statt den Individualverkehr und die LKW's auf unseren Autobahnen einzubremsen werden schnell mal 200 Mio. € Steuergelder für "Leuchtturmprojekte" der notleidenden Automobilindustrie investiert.

Ganz einfach: weil der Staat am finanziellen Tropf der Automobilindustrie hängt. Die Unternehmen zahlen Steuern auf ihre Gewinne (... zumindest theoretisch...) und die Mitarbeiter zahlen Einkommensteuer und Beiträge zur Sozialversicherung. Wir sprechen hier (je nach Statistik) über eine knappe Million Arbeitsplätze in Deutschland, die bei Herstellern und deren Zulieferern beschäftigt sind. Da geht es in Summe um gigantische Beträge, die der Staat vereinnahmt. Wenn die morgen alle arbeitslos werden, fallen nicht nur die Einnahmen weg, sondern der Staat müsste im Gegenteil noch Transferleistungen erbringen. Dagegen muten die besagten 200 Mio. Subventionen wie die sprichwörtlichen Peanuts an. Noch Fragen...? :zwi:



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Re: Gesellschaftliche Entwicklung

Beitragvon tintin » 02.12.19 09:16

Ein großes Manko in unserer Staatsform ist die Verantwortlichkeit der Einzelbereiche, in diesem Fall z.B. die Bundesländer. Jedes versucht letztlich für sich am besten dazustehen und die Landesverwaltung achtet auch ihr eigenes Bundesland, nicht zuletzt dadurch schon begründet, dass vielleicht im Nachbar Bundesland eine andere Partei regiert.
So kommt es eben ständig auch dazu, dass die eigentlich vernünftigen Entscheidungen gar nicht erst getroffen werden.Mal als Beispiel: die Regierung "meines" Bundeslandes hat gerade den Vorwurf einer Umweltorganisation bekommen, dass es geheime Absprachen mit Unternehmen gab, wobei die Unternehmen nicht alle Umweltverpflichtungen einhalten müssen, damit diese Unternehmen nicht in andere Bundesländer umziehen. Beispiele dieser Art sind zahllos.



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Re: Gesellschaftliche Entwicklung

Beitragvon Buzut » 02.12.19 16:42

Wie konnte sich Deutschland so verändern.

Ich glaube 2 Dinge sind passiert.

1. Merkel und co waren jahrelang im Einsatz um den Euro und Europa zu retten. Dabei hat man die eigenen Bürger vergessen.

2. Die CDU ist gefangen in einer Koalation mit der SPD und umgekehrt Speziell die CDU macht zu viele Zugeständnisse um die Koalation halten zu können. Die SPD macht politische nur um zu zeigen das man was tut.
Beides zusammen geht an den Bürgern vorbei.

Dann kommen noch polarisierende Dinge wie Intregation und Klima dazu. Und das ständige Gelddrucken ist auch noch Thema.

Fakt ist. Politisch läuft es schlecht und ich wünsche mir ein Ende von CDU und SPD, selbst auf die Gefahr hin das es turbulent zugeht. Außérdem wird es Zeit das die Grünen Verantwortung übernehmen, damit die rauskommen aus dem ständigen Attakiermodus. Mit Verantwortung sieht die Welt ganz anders aus.




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