Konstante Leistung abrufen

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treffgarnix
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Re: Konstante Leistung abrufen

Beitrag von treffgarnix »

Klar das ist einer der fundamentalen Faktoren. Wenn ich keine Lust habe zu spielen, sollte man es gleich sein lassen. Interessant wird es mit Blick auf Leistung - im Fall von terminlichen Verbindlichkeiten wie z. B. einem Ligaspiel, einem Turnier, oder auch nur bei einem Date zum Spielen - wenn man einen Spielzeitraum eingeplant hat und situativ gerade keine Lust verspürt: WIE schaffe ich es dann, trotzdem meine Leistung abzurufen?? Das sind reine mentale Dinge, die zum Teil sehr eng verbunden sind damit, wie man allgemein mit dem Thema Lust / Unlust umgeht. Salopp formuliert: "Wie überwinde ich eine etwaige Unlust?". Im Leben ansonsten disziplinierte Menschen schaffen das vermutlich eher als Hallotries, die nicht in der Lage sind von heute auf morgen zu denken.

Ich schrieb ja in meiner ersten Antwort über Turniere, die mir dann oft zu lang werden und ich dann zuletzt oft trotz bis dahin guter Leistungen ausstieg, oder natürlich auch schon vorgekommen, dass ich zwar weiterspiele aber eigentlich müde und lustlos. DAS ist z. B. eine meiner Punkte, der ganz klar meine Leistungsfähigkeit limitiert.

Etwas anders sehe ich das bzgl. Spaß. Grundsätzlich bin ich der Ansicht, dass möglichst alle Tätigkeiten "Spaß" machen sollten oder eine gewisse Möglichkeit der Erfüllung / Glücklichsein geben. Das ist z. B. einer der sehr komplexen Bereiche, weil es eine rein individuelle Thematik ist, was einem Spaß bereitet oder eher Frust. Bei mir z. B. auch ganz klar: Es macht mir KEINEN Spaß, ständig zu verlieren, also suche ich mir Spielpartner mit ca. gleichem Niveau. Es gibt aber auch Typen die sich gerne selber quälen und bewusst Gegner auswählen, die deutlich stärker sind.
Als Einstein Examina abnahm, fragte ihn einmal ein Student: "Sie stellen in diesem Semester ja genau die gleichen Fragen wie beim letzten Mal." Darauf Einstein: "Das ist wahr. Nur die Antworten sind diesmal anders."
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Re: Konstante Leistung abrufen

Beitrag von joshua70 »

Wie Frau Birkenbihl es so schön sagte: Es hängt von den Filtern ab, durch die man etwas betrachtet (sinngemäß).

Was für Dich Qual darstellt, ist für mich Basis für Weiterentwicklung- und daher eher Freude.

Ausserdem kickt es mein Ego, wenn mein stärkerer Gegner nicht einfach hingeht und abdrückt, weil er weiß, dass ein Fehler bestraft wird und er an seine Limits gehen muß, um seinen Vorsprung zu halten. Wenn ich diesen Druck aufbauen kann, ist der Abstand auch plötzlich nicht mehr so groß, weil das Selbstverständnis schwindet.

Alleine die Erkenntnisse im Nachgang: An welcher Stelle konnte er sich warum absetzen und wie kann ich das abstellen? Das bringt einen zum Nachdenken und bei den richtigen Schlüssen auch zum Besseren.
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Re: Konstante Leistung abrufen

Beitrag von mikkes »

treffgarnix hat geschrieben: 10.11.25 10:11 Das mit den Qualitätsschwankungen von Hobby- oder Ligaspielern stimmt. Aber auch Profis unterliegen diesen Schwankungen, jeder Spieler unterliegt diesen Schwankungen. Individuell sind sicherlich die Spannbreiten der Schwankungen und die absoluten minimalen und maximalen Spielstärken.
Vollkommen richtig, ich hatte das mit meinem Statement auch gar nicht ausgeschlossen. Die Schwankungen sind halt viel geringer bei den Profis. Ich bin ein besserer Ligaspieler aber ich habe Ligaspiele dabei, da ist meine Qualitätsschwankung so hoch, das ich 2-3 Klassen schlechter Spiele, also so gut 70% schlechter als mein A-Game. Bei einem Profi sind das an einem schlechteren Tag vielleicht 2-3%. Wie Du es auch schreibst und auch ich in meinem Ausgangspost, die Spanne ist halt deutlich geringer.
treffgarnix hat geschrieben: 10.11.25 10:11 Ich würde es vielleicht etwas plakativ so formulieren: Bei sehr geringer Spielstärke dominieren eher die mechanischen Unzulänglichkeiten, und bei sehr hoher Spielstärke eher die mentalen Fähigkeiten bei der Frage, wie stark und auch welche Art von Schwankungen auftreten.
Ich würde eher sagen bei Spielern einer sehr hohen Spielstärke fällt der Faktor mechanische Unzulänglichkeiten eher weg.
Aber gerade bei geringerer Spielstärke sind beide Faktoren ausschlaggebend. Mal der eine Faktor, mal der andere......
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Re: Konstante Leistung abrufen

Beitrag von mikkes »

tintin hat geschrieben: 10.11.25 11:47 Hat eigentlich einer schon den Faktor Lust bzw. Spaß angesprochen?
Vielleicht hat man ja am Spieltag eigentlich gar nicht so viel Lust auf Billard, oder Abends wenn man denn endlich mal Zeit hat.
Also selbst nach 37 Jahren Billard habe ich immer noch eine riesen Lust auf Spieltage mit der Mannschaft oder auf Einzelturniere, sonst würde ich mit dem Billard aufhören. Der Faktor Spaß sollte auf gar keinen Fall vernachlässigt werden.

Ja, hin und wieder und manchmal auch über eine gewisse Periode habe ich, weil ich auch ein kleiner fauler Hund bin, keine richtige Lust auf Training. Das Problem dabei ist aber, dass ich das gerade benötige, da ich nicht wie teilweise andere Spieler mit sehr viel Talent gesegnet bin. Ich muss mir meine Spielstärke hart erarbeiten, auch um meine Qualitätsschwankungen gering/geringer zu halten.
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Re: Konstante Leistung abrufen

Beitrag von joshua70 »

Im Billard- wie in allen Sportarten- ist m.E. Talent komplett überbewertet, wenn nicht sogar kontraproduktiv. Ein "talentierter" (hat jemand dazu eine Definition?) Spieler erarbeitet sich relativ schnell Lösungen und verinnerlicht diese. Auch die nicht so optimalen. Ein weniger talentierter Spieler ist vielleicht methodischer und braucht mehr Trial and Errors, bis er die Lösungen gefunden hat. Sein B oder C Game ist aber vermutlich besser, als das des gefühlsbetonten Spielers. Einfach weil Methodik einfacher herstellbar ist (Logik) als eine bestimmte Gefühlslage. Und die Methodik ist weniger beeinflussbar.

Mein Lieblingsbeispiel für einen (weitestgehend) reinen Gefühlsspieler ist Soufi. Super spaßig ihm zuzuschauen. Und wenn alles passt, ist er Weltklasse! Aber seine Technik (ich nenne das mal so) ist superanfällig, weswegen er auch oft mit verhältnismäßig einfachen Fehlern aussteigt. Da reicht ein Fehlgedanke zur Unzeit und das Timing ist am Arsch. Passiert das, ist auch gleich der ganze Stoß versemmelt.

Vermutlich wird der Gefühlsspieler an seinen guten Tagen und passender Umgebung den Methodiker schlagen (immer vergleichbare Levels vorausgesetzt). Alleine schon deswegen, weil er weniger Abläufe berücksichtigen muß und daher mehr freie Energie hat. Da fallen in engen Situationen auch mal Exhibition- Shots leichter, die er tendentiell auch mehr gewohnt ist, weil er weniger methodisch vorgeht. "Wenn ich ihn sehe, kann ich ihn auch lochen" ist da gerne genommene Taktik.

Das schließt den Kreis für mich wieder. Wer methodisch unterwegs ist, hat sich bewußt mit seinem Tun beschäftigt und bekommt so zumindest einen Großteil der Erfordernisse zusammen. Nehme ich einem Gefühlsspieler sein Gefühl, wird er vermutlich tiefer fallen und er muss deutlich öfter an den Tisch, um das Muskelgedächtnis nicht verblassen zu lassen.

Zur Erklärung: Wenn ich "methodisch" schreibe, heißt das nicht mechanisch. Es bedeutet nur, dass man anhand von bestimmten Mustern Abläufe und Aktionen weitestgehend festlegt. Ausserdem kann man dem Gefühl noch etwas an Wichtigkeit nehmen, wenn man sich in seiner Komfortzone bewegen kann und darauf hin arbeitet, diese bei möglichst vielen Bällen vorzufinden.

Das Geheimnis von richtig guten Spieler ist vermutlich (kann ich nicht aus Erfahrung mitreden), eine gute Balance zwischen Gefühl und Ratio herstellen zu können, sich bestmögllich zu fokussieren und Chancen gut abwägen zu können.
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