MentalesSchnauze! Wenn die Stimme im Kopf nur noch nervt.

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LordSTW
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Schnauze! Wenn die Stimme im Kopf nur noch nervt.

Beitragvon LordSTW » 22.02.22 23:21

Schnauze! Wenn die Stimme im Kopf nur noch nervt.

Nun sitze ich hier den 12ten Tag in Isolation und mein Schnelltest gestern war immer noch positiv. Dennoch habe ich die Infektion bisher mit einem gefühlt kleinen “Männerschnupfen” offensichtlich gut überstanden. Mental geht es mir gut, Therapie und Medikation scheinen zu greifen.....

Rückblick

13. März 2020

Morgen ist es soweit. Das Topspiel der Liga steht an. Wir sind ungeschlagener Tabellenführer, haben zwei Punkte Vorsprung, bei einem Spiel weniger. Sieg, und der Drops ist gelutscht. Ich habe hart trainiert, spiele eine Supersaison mit nur einer Niederlage. Crunchtime! Im April werde ich mein Debüt in der Regionalliga geben und am letzten Spieltag der “Ersten” eingesetzt. Das Leben ist schön! Da klingelt das Handy...........Abgesagt wegen Virus!

20.04.2021

Die Autofahrt wird immer anstrengender. Meine Gedanken kreisen nur um dieses Virus. Verdammtes Virus! Habe ich mich infiziert? Darf ich überhaupt nach Hause fahren? Wen stecke ich alles an oder habe es bereits? 24 Stunden wird es dauern, haben sie gesagt. 24 Stunden bis das Ergebnis vorliegt. 24 Stunden Hölle! Habe ich da nicht schon ein Kratzen im Hals? Glüht meine Stirn? Es geht nicht mehr, ich muss rechts ranfahren und eine Pause machen..........

Juli 2021

Was ist nur los mit mir? Ich habe Urlaub und finde keine Ruhe. Jeden Tag verfolge ich die Entwicklung der Inzidenzen. Wird diese Virus bald verschwinden? Wieso warnen die schon wieder vor dem Herbst? Wie gefährlich ist diese Delta-Dingens? Beruhige dich, Du bist zweimal geimpft, im April war es falscher Alarm, das geht vorüber.......

August 2021

Es vergeht kein Tag mehr, an dem sich nicht dieses beunruhigende, beklemmende Gefühl einstellt. Es reicht schon, wenn jemand in meiner Gegenwart hustet und ich bekomme Panik. Ich muss mich mittlerweile zu fast allem zwingen. Billard? Da war mal was. Wann habe ich zuletzt trainiert? Keine Ahnung. Meine Billardgruppe coache ich nur mehr schlecht als recht. Bin froh, wenn wir uns auf einen “Spieletag” einigen können. Impulse kann ich Ihnen keine mehr geben. Wieso habe ich plötzlich so eine Angst vor diesem Virus? Seit meinem PCR Test ist das so, warum das Jahr davor nicht? Habe ich nicht unzähligen Menschen im privaten und beruflichen Umfeld gerade diese Angst genommen? Wie vielen Menschen habe ich während der Infektion Mut zugesprochen? Und habe ich nicht mittlerweile vor fast allem Angst?

Eine mir sehr nahestehende Person, der ich blind vertraue bringt es mit einem Satz auf den Punkt. “Du rauscht nicht in eine Depression, Du bist schon mittendrin!” Peng, der hatte gesessen.

September 2021

Ich weiß was zu tun ist, ich weiß was mich erwartet und ich weiß, dass ich es schaffen kann. Mein Handy klingelt, es ist die Klinik..........

13. September

Ich betrete die Klinik. Sie wird für die nächsten 6-8 Wochen mein zu Hause. Obwohl ich vieles über Therapien weiß, die Mechanismen und Werkzeuge bestens kenne, stehe ich unbeholfen in der Eingangshalle. Wenn es um einen selbst geht, ist eben alles anders. Mein Kopf ist leer, so leer. Ich bin müde, am Ende waren es nur noch 1-2 Stunden Schlaf pro Nacht.........

Januar 2022

Der erste Wettkampf! Ligaspiel! Nie hätte ich geglaubt, dass es dazu noch einmal kommen wird. Ich spüre eine enorme Nervosität. Bin hippelig hoch zwölf. Ich erzähle meinem Gegner vor dem Spiel von meiner Situation, warum ich vielleicht im Spiel überdrehen könnte. Und so kommt es auch. Teilweise muss ich Atemübungen machen, um mein Adrenalin zu regulieren. Es fühlt sich brutal an, aber gut und muss zum Leidwesen der Zuschauer fürchterlich aussehen^^. Mein Gegner hat vollstes Verständnis für mich. Danke! Obwohl, er revanchiert sich in der zweiten Runde und lässt mich in meiner Paradedisziplin alt aussehen. Ich bin dennoch zufrieden und habe selbst nach einfachen Fehlern ein breites Grinsen im Gesicht. Es hat Spaß gemacht und das ist das Wichtigste!

Heute

Nun habe ich mich doch infiziert, wann und wo kann ich nicht sagen. Von Panik keine Spur. Ich kann die Dinge jetzt wieder einordnen. Fühlt sich toll an. Zurück im Leben und die Stimme im Kopf macht wieder das was sie soll, beraten und nicht bestimmen.

Ich habe gelernt mich meinen Themen zu stellen, unangenehmes auszusprechen, statt wegzudrücken. Mit meiner Erkrankung bin ich von Anfang an offensiv umgegangen. Erstaunlich, wie viele Menschen in meinem Umfeld sich zu ähnlichen Problemen bekannten. Rückmeldungen zu meinem offenen Umgang waren durchweg positiv. Manch einer sagte mir, dass er meinen Mut gerne gehabt hätte bzw. noch nicht hat. In der Klinik habe ich Menschen kennen gelernt, die ihre Themen jahrelang mit sich rumschleppten. Privates oder berufliches Umfeld war meist ein Trümmerhaufen. Der Übergang zu suchtförderndem, gar suizidalem Verhalten war meist fließend.

Sich Hilfe zu holen ist Stärke und keine Schwäche. Je früher man sich seiner Krankheit bewusstwird und aktiv etwas unternimmt, desto größer und rascher stellt sich Erfolg ein.

Trau Dich! Habe Mut!



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LG LordSTW



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