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Klaus
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Kamera und Billard

Beitragvon Klaus » 01.01.05 18:29

Zum Thema hatten wir hier im Forum einen äußerst interessanten Thread mit Informationen von Thomas Kopatz und Andreas Huber. Nachfolgend habe ich die wichtigsten Informationen dazu nochmal zusammengestellt. Falls dazu noch Fragen sind, dann postet diese bitte ins Forum.
Quelle: http://www.billard-aktuell.de/modules.p ... ght=kamera





kopernikus
Verfasst am: 23.11.04 09:27

Hi Leute,


Kamera und Billard. Das passt sehr gut zusammen.


Wir (VdP-Paderborn) haben uns nun auch eine Kamera angeschafft.


Also, worauf sollte man achten.


1. Low Light, meistens sind die Räumlichkeiten ja ziemlich dunkel, also muss die Kamera auch bei solchen Lichtverhältnissen eine vernünftige Qualität aufnehmen können.
2. Auflösung, Alles ab 1 Mio Pixel bei Filmaufnahme ist gut (ACHTUNG: Bei Film und Photo sind die Auflösungen unterschiedlich!)
3. Stabiles Stativ mit einer Mindesthöhe von 2 Meter.
4. Gutes Objektiv (Zeiss oder ähnliches) Ein Weitwinkelobjektiv würde die Aufnahme verzerren.


Wie kann man sinnvoll mit einer Kamera arbeiten?


1. Technik, man erkennt auf der Aufnahme sehr gut, ob der Stoß gerade ist oder nicht. Wir haben z.B. ein Anstoßtraining damit aufgenommen und man sah sehr gut, ob man zu früh hochgegangen ist oder nicht. Ob man mit dem Queue die Kraft gut übertragen hat. Wie die Kugeln gelaufen sind, etc etc etc.


2. Spielauflösung, auch hier ist die Kamera sehr hilfreich. Egal ob 8-Ball, 14.1 oder 9-Ball.
Einfach mal ein Match aufnehmen und sich danach die Aufnahme ansehen. Meistens wundert man sich, was man da alles besser machen kann.


3. Spielerpsyche, es ist äusserst interessant zu sehen, wie man sich selber in einem Match gibt. Vorher mal das Kapitel Psyche aus Ralph Eckerts Buch lesen und danach ein Match aufnehmen. Man findet sich dort wieder.


Wo soll die Kamera hin?


Wir haben die Kamera unter Verschluss in unserem Verein. Trainer und Mannschaftsführer werden jederzeit Zugang haben. (das Dingen ist noch neu und die Leutchen müssen sich erst daran gewöhnen.)
Wenn wir aufnehmen, dann ist die Kamera auf dem Stativ. Höhe ca 2 Meter. Das Stativ ist so gestellt, dass man den ganzen Tisch aufnehmen kann.


Das ist jetzt die einfache Lösung. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, eine Kamera fest über einen Tisch zu installieren. Da geht mal zu einer Firma, die sich mit Überwachungstechnik auskennt. Es gibt dort auch bezahlbare Lösungen. (Objektive fest über den Tisch installiert, Aufnahme Hard-und Software im PC.) Diese Lösungen kommen auch mit widrigen Lichtverhältnissen sehr gut zurecht!


Live Stream im Internet. An diese Lösung habe ich auch gedacht. Da sammeln wir grad Informationen. Mal sehen, wie man das vernünftig hinbekommt. Aber einen Spieltag live im Internet, das wäre doch mal was.


Kosten, einer der wichtigsten Punkte. Nach oben sind natürlich keine Grenzen gesetzt. Eine vernünftige Lösung, wo man sich die Bilder in einer guten Qualität auf dem Fernseher ansehen kann, inkl. Stativ, kostet so um die 750,00 - 800,00 EUR. Mehr muss man nicht ausgeben.


Das einzige was man auf jeden Fall machen sollte, ist AUSPROBIEREN. Geht zu einem Fachhändler und lasst Euch beraten. Nimmt ihn mit ins Vereinsheim und probiert das Dingen aus! Achtet darauf, ob man die Kugeln erkennen kann, das Bild Verzerrungsfrei ist und auch schnell gespielte Kugeln keinen "Nachzieh-Effekt" haben.


Umbauarbeiten am Licht oder gar Tuch sind zu diesen Zwecken nicht nötig. Die Technik hat sich dort sehr viel weiter entwickelt. Wir haben auch nichts umgebaut. Unsere Lichtverhältnisse sind wirklich bescheiden und die Aufnahmequalität ist gut. Sogar besser als wir erhofft hatten.


Der Lichtkegel für einen Billardtisch sollte nur den Billardtisch erfassen.


Wenn sich jemand unsere Lösung ansehen möchte, kann er uns gerne besuchen.
VdP-Paderborn 1989 e.V.


In diesem Sinne


Thomas "Kopi" Kopatz
_________________

andrehu
Verfasst am: 23.11.04 09:54

Zum Thema Kamera und Billard:


Wir haben uns bei der Einrichtung unseres Schulungsraumes lange mit dieser Problematik beschäftigt und sind zu folgenden Ergebnissen gekommen:


Um mit hochwertigem Kamera-Equipment direkt von oben filmen zu können ist eine Raumhöhe von mindestens 3 m erforderlich. Wir verwenden dabei als Kamera eine Sony VCR 1000 mit 0,5fach Weitwinkel-Vorsatz (z.B. HAMA) - das hält den Verzug in einem minimalen (kaum sichtbaren) Bereich.


Das Licht wurde ebenfalls an der Decke angebracht (sonst stört es ja beim filmen...).
Um die Lichtqualität und -menge zu erzeugen, die zum semiprofessionellen filmen und v.a. zum High-Speed-Shutten (extrem kurze Belichtungszeiten = exakte Bilder einzelner Momente - z.B. Treffen des Speilballes beim Break) mit bis zu 1/6000 s benötigt wird, war es notwendig auf professionelles Foto- und Filmlicht auszuweichen. Wir haben daher 4 Quarzlichtstrahler im Einsatz (2x 650 W auf 80x80 cm Diffusor zum Spielen und "normalen" Filmen, 2x 1200 W auf 40x40 cm Diffusor als Zusatzlicht zum HS-Shutten).


Die Kamera kann dabei auf einer Deckenschiene quer zum Tisch positioniert werden (Aufnahme von Oben) oder en einem Teleskoplift an einer rundlaufenden Schiene um den Tisch bewegt werden (Aufnahmen von der Seite / Techniktraining / Aufnahmen von schräg oben).
Zum Techniktraining wird ein Monitor auf einem fahrbaren Wagen in Tischhöhe verwendet, so daß der Spieler seinen Arm / seine Technik während des Stoßes selbst beobachten kann.


Das ganze frist ein "bischen" Strom, macht aber echt tolle Aufnahmen!


Ich kann Kopernikus nur recht geben: Filmen von Oben kommt nur bei hohen Räumen UND sehr guter (=teurer) Ausrüstung wirklich in Frage. Das Filmen von schräg oben geht fast mit jeder Kamera und in fast allen Lokalen...


Ganz allgemein zum Schluß noch eine Anmerkung:
Mittlerweile benutzen wir beim Techniktraining fast ausschließlich digitale Fotografie (Spiegelreflex), da der Nutzwert dieser Technik deutlich höher ist: schneller, einfacher, überall einsetzbar und selbst Bewegungsabläufe können als Bildfolge problemlos dargestellt werden. Das lästige Spulen, Verkablen, undundund entfällt komplett!


Ich hoffe, die Informationen nutzen ein bischen,


Andreas Huber
Billard-Akademie Dachau
Bundestrainer Pool der DBU
_________________

kopernikus
Verfasst am: 23.11.04 11:27


Hallo Andreas,


interessant und sehr informativ was Du da schreibst.


Ralph bevorzugt ja auch die digitale Fotografie und hat es bei unserem Training auch angewandt. Man muss auch dazu sagen, dass Ralph´s Kamera auch ein sehr gutes Stück ist.


Wie ich erfahren habe, hast Du Dir ja auch einen privaten Trainingsraum eingerichtet?!
Wie sind denn dabei Deine Erfahrungen? Wie trainierst Du mit Kamera? Gibt es Lehrmaterial darüber? Was ziehen Deine Schüler aus dem Training?
Vor allen Dingen, wie groß ist der Erfolg mit solchen Trainingsmethoden?


Viele Fragen, aber wir haben halt damit angefangen und möchten unseren Mitgliedern ein dementsprechendes Training geben.


Thomas "Kopi" Kopatz
_________________

andrehu
Verfasst am: 24.11.04 10:25

Hallo Kopernikus - ich antworte einfach in Deine Fragen


>Ralph bevorzugt ja auch die digitale Fotografie und hat es bei unserem Training auch >angewandt. Man muss auch dazu sagen, dass Ralph´s Kamera auch ein sehr gutes Stück >ist.


Ja Du hast recht - wir sind gerade vehement dabei, Ralph den Umgang mit (s)einer digitalen SLR-Kamera beizubringen.
Was erwähnt werden sollte ist, daß sein Stück kein besonders "gutes" Stück ist, sondern einfach nur den Anforderungen der Fotografie im Sport genügt. Handelsübliche Digitalkameras sind leider Gottes komplett untauglich für diesen Einsatzzweck, da sie viel zu langsam sind und idR keine Serienbildfunktion in entsprechender Geschwindigkeit haben.


Bei der Kamera, die sowohl die BAD als auch Ralph Eckert im EInsatz haben handelt es sich übrigens um eine NIKON D100 mit extrem lichtstarken Objektiven und SEHR schnellen CF-Speicherkarten. Wie gesagt - ein teurer Spaß, der die Sache aber in jedem Fall wert ist und deutlich sinnvoller im Training einsetzbar ist als eine Videoanlage...


>Wie ich erfahren habe, hast Du Dir ja auch einen privaten Trainingsraum eingerichtet?!


Alle oben berichteten Erfahrungen wurden im Schulungsraum der BAD gemacht


>Wie sind denn dabei Deine Erfahrungen? Wie trainierst Du mit Kamera? Gibt es >Lehrmaterial darüber? Was ziehen Deine Schüler aus dem Training?
>Vor allen Dingen, wie groß ist der Erfolg mit solchen Trainingsmethoden?


Meine Erfahrungen mit was - einem Schulungsraum? Ich kann die Frage nicht ganz verstehen - es ist mein Beruf, Training zu geben und der Schulungsraum ist meine "Werkstatt" - Die Erfahrungen sind natürlich gut... (Ich muß nicht verhungern...)


Wie bereits erwähnt verwenden wir Video nur noch, um Leute selbst an sich trainieren zu lassen (Üben mit Monitor direkt in Stoßrichtung => Eigenkontrolle, Eigenrealisation von motorischen Änderungen, etc.) und zur kompletten Analyse von Partien (Kamera läuft durch und hinterher wird gemeinsam besprochen oder nachgestellt und wiederholt)
Lehrmaterial über Videotraining oder Videoanalysen gibt es eigentlcih nur über Seminare des DSB oder der Sporthochschulen...


Was ziehen Schüler aus dem Training - eine sehr schwere Frage, weil man das nicht wirklich verifizieren kann... Das glaiche gilt für die Frage nach dem Erfolg des Video-Einsatzes. Es sind Hilfsmittel wie die Sprache des Trainers - Training soll in seiner Gesamtheit Erfolg bringen (nicht Teile des Trainings mehr oder weniger).


Eines muß allerdings noch erwähnt werden: Video ist ein gefährliches Werkzeug mit dem man Schüler oder Sportler sehr leicht verunsichern kann und das nicht auf breitester Front - quasi mit der Keule - eingesetzt werden sollte. Der Mensch funktioniert visuell (also mit Bildern - wie beim Billardspielen eben auch). Erzeugt man negative Bilder in einem Spieler (viele empfinden die ersten Aufnehmen von sich als sehr negativ), so birgt das auch entsprechend große Risiken. Darüber hinaus verkrampfen die meisten Sportler total, wenn sie die ersten male mit Video-Training konfrontiert sind, so daß man am besten gar keine Bänder mitschneidet oder diese einfach löscht und erst nach einer Eingewöhnungsphase mit der echten Auswertung des Materials beginnt.


Der Einsatz von Video und auch von Fotografie auf breiter Front (einzelne Bilder sind immer harmloser als ganze Filme und können - vereinzelt eingesetzt - auf jeden Fall immer hilfreich sein) sollte daher eigentlich dem Training auf hohem Niveau (Hochleistungs- und Spitzensport) oder mit dafür speziell geschulten Trainern vorbehalten bleiben.


Andreas Huber
Billard Akademie Dachau
Bundestrainer Pool der DBU



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