VereineAnleihen bei den Ärzten und Sankt Pauli

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Klaus
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Anleihen bei den Ärzten und Sankt Pauli

Beitragvon Klaus » 14.01.06 19:22

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Pechschwarz mit getönten Scheiben. Stilecht von der Felge bis zum Dach. So kommt er daher, der zum Mannschaftsbus umfunktionierte Mitsubishi-Van. Darin sitzen die Männer in schwarz. Fast sehen sie aus, als hätten sie einen nächtlichen Banküberfall ausgeheckt. Und tatsächlich gehen sie gleich auf Raubzug. Zielobjekt: die schwarze Acht.
"8-Ballz" heißt der jüngste Verein aus Grafenau. Wie im Vereinsnamen dreht sich im dazugehörigen Spiel alles um die Acht, die entscheidende Kugel beim Pool-Billard.


Im Dätzinger Club greifen derzeit sieben aktive Spieler zum Queue, dazu gibt es weitere drei passive Mitglieder. Viel kleiner kann ein Verein kaum sei. "Es ist auch gar nicht so einfach, bei uns aufgenommen zu werden. Der komplette Vorstand muss einverstanden sein. Und das ist er nur bei coolen Leuten, die unsere Musik hören", sagt Schriftführer Dominik Heinkele. "Unsere Musik" bedeutet ehrlichen Gitarrenrock der verschiedensten Spielarten.


Bei diesen Auswahlkriterien verwundert es kaum, wie der Billardclub entstanden ist: Wie so oft machten sich die beiden Freunde Dominik Heinkele und Pascal Cecotti auf zum Live-Konzert. Diesmal ging es zum Wave-Gothic - Treffen in Leipzig, wo sich besonders düster gewandete Menschen trafen. Schnell landete ihr Gespräch bei den Themen Musik und Billard.


Bock auf Rock


Bock auf Rock, das war beiden gemein. Und gerne wollten sie mit einer Mannschaft am offiziellen Spielbetrieb des Verbandes teilnehmen. Das Problem: derber Rock passt nach guter Väter Sitte nicht zur filigranen Spielerei, und in den Billard-Salons hört man in der Regel gediegenere Klänge. Die Lösung: eine eigene Mannschaft.


"So richtig ernst habe ich das nicht genommen und habe das Hirngespinst schnell wieder vergessen. Ein paar Wochen später sagte mir Pascal, dass es ernst wird", denkt Dominik Heinkele zurück.


Die Cecottis und die Heinkeles setzten sich zusammen. Pascal Cecotti Vorstand, Bruder Fabian Vertreter und Sportwart, Cousin Marcel Kassierer, Großvater Josef Ehrenmitglied, Dominik Heinkele Schriftführer, dazu der Magstadter Steffen Reichert - der Verein war komplett. Melanie Strobel bastelte am Internet-Auftritt, Christoph Heinkele, genau wie Bruder Dominik einst bei den Poolbillardfreunden Leonberg aktiv, wurde Ersatzspieler.


"Wir steigen auf", war der Tenor, dem sofort zum Rundenstart in der Sicherheitsliga Kreisliga, in der kein Abstieg möglich ist, ein Punktgewinn gegen Pforzheim folgte.


Nach dem ersten erfolgreichen Auftritt gab die Truppe richtig Gas. Für das Open Air auf einem Grundstück in Schafhausen organisierten die Kugelversenker in der Weil der Städter Landwirtschaft "Ox & Q" einen Traktor, der den nötigen Strom für den Gitarren-Sound lieferte.


Melanie Strobel kümmerte sich um den Internetauftritt und holte sich beim Hamburger Traditions-Fußballverein FC St. Pauli das Okay dafür, den Totenschädel von der Reeperbahn auf die Homepage packen zu dürfen. Kontakt knüpfte sie auch zur deutschen Spaßpunk-Band "Die Ärzte", damit sich das Knebelfräulein "Gwendoline" auch bei den Dätzingern im Internet verschnürt. "Die Ärzte und St. Pauli, das passt super zu uns", sagt Christoph Heinkele.


"Besten Glühwein der Veranstaltung"


Ausrufezeichen in der Gemeinde hat der Verein beim letzten Weihnachtsmarkt gesetzt, als die gegrillten Würste in Sachen Nachfrage mit dem "besten Glühwein der Veranstaltung", so Dominik Heinkele, konkurrierten. Kein Wunder, bei diesen Beziehungen: Die Würste lieferte die Dätzinger Kult-Metzgerei von Doris und Werner Heinkele, den beiden Chefs des Gasthofs Engel und den Eltern der billardspielenden Jungs. Den Wein für den Glühwein besorgte Steffen Reichert aus einer Stuttgarter Winzerei.


Sportlich dümpeln die Dätzinger trotz wöchentlichem Training in Calw im Mittelfeld der Tabelle herum. Auf gute Beziehungen hofft der Club aber, damit er sich neben dem Aufstieg einen noch größeren Traum erfüllen kann: ein eigenes Vereinsheim, in dem es zwischen den Spielen aus den Boxen mächtig auf die Ohren gibt. "Das ist noch ein Hirngespinst", sagt Dominik Heinkele. Aber das dachte er schon einmal.


Den Dätzinger Billardclub kann man im Internet unter www.8-ballz.de besuchen. Im zweiten Teil der Serie "Mein Grafenau" gibt es kommenden Donnerstag eine Portion Wirtshausnostalgie.


[szbz]

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